Vielleicht gibt es ja ein paar Pflänzchen im heimischen Garten

Tabak liebt es feucht und warm

0 04.10.2019

Wer weiß, vielleicht blüht und grünt in dem ein oder anderen Garten in Borbeck und Umgebung Nicotiana tabacum oder Nicotiana rusticana? Diese beiden Arten sind für die Gewinnung von Rauchtabak interessant. Damit Sie es gleich wissen: Der Anbau von Tabak ist hierzulande auch für Privatleute erlaubt, so lange man ihn nur für den Eigenbedarf nutzt.

Nicotiana tabacum ist eine einjährige krautige Pflanze, die 1,5 bis 2 Meter hoch wird (der Bauerntabak bleibt etwas kleiner). Sie hat eine tiefgehende Wurzel mit kräftigen Wurzelfasern. Der aufrechte, im unteren Teil unverzweigte Stängel ist, wie auch die ganzrandigen, bis 50 cm langen Blätter, dicht mit klebrigen und stark riechenden Drüsenhaaren besetzt. Die trichterförmigen, fünfzipfeligen, in ihrem unteren Teil gelblichen, im oberen Teil roten Blüten stehen in einer großen Rispe am oberen Teil des Stängels. Sie werden durch Insekten bestäubt. Die Frucht ist eine eiförmige Kapsel, sie öffnet sich mit zwei Klappen und enthält sehr viele ölhaltige Samen, die recht winzig sind: 1000 Samen wiegen gerade 0,1 Gramm.

Die Heimat des Tabaks ist Südamerika, wahrscheinlich Argentinien und Bolivien. Schon vor der Ankunft der Spanier in Amerika war dort das Rauchen von zusammengerollten Tabakblättern bekannt, und bald breitete sich diese Sitte auch in Europa aus. Dort stand das Rauchen allerdings zeitweise unter schweren Strafen. Zu dieser Zeit wurde der Tabak bereits in Mexiko und Zentralamerika, in Venezuela, Kolumbien und Brasilien kultiviert.

Der Anbau in Europa begann im 16. Jahrhundert. Heute wird Tabak überall in den Tropen und den Subtropen bis in die gemäßigt Zone angebaut. In Deutschland sind größere Anbaugebiete in der Pfalz, in Baden und Württemberg.

Dass der Tabak auch in klimatisch nicht so begünstigten Gebieten gedeiht, wird manchem noch aus Erzählungen oder eigenem Erleben in der Nachkriegszeit in Erinnerung sein, als sich die Marken „Eigenbau“ oder „Bahndamm“ großer Beliebtheit erfreuten.

Allerdings war und ist der „Eigenbau“ recht schwierig. Tabak ist eine Pflanze der Subtropen mit hoher Wärmebedürftigkeit und geringer Kältetoleranz. Unter 15 ° C ist das Wachstum gehemmt, bei 0 ° C werden die Blätter geschädigt, bei –3 ° C sterben die Pflanzen. Für die Keimung benötigt Tabak hohe Temperaturen.

Marke "Bahndamm" und "Eigenbau" nach dem Krieg

Die „Eigenbauer“ wickelten die Samen in Leinentücher und wärmten sie mit einer Wärmflasche. Bei Feuchtigkeit und höheren Temperaturen platzen die braunen Samenschalen nach fünf bis acht Tagen auf und der weiße Keimling wird sichtbar. Dann wird der Tabak in Frühbeetkästen gesät. Im Frühbeet – also unter Glas - musste die Saat dann aber vor schneller Austrocknung geschützt werden. Nach vier Wochen im Frühbeet konnten dann die Pflanzen aufs Feld gesetzt werden, ab Mai, wenn kein Nachtfrost mehr zu befürchten ist.

Noch schwieriger als der Tabakanbau ist die Erstellung des Tabaks: Sobald die Blätter der Pflanze gelblich werden, werden sie gepflückt, auf Schnüre gezogen und zum Trocken aufgehängt. Die unteren Blätter (Grumpen) sind von geringer Qualität. Darüber stehen die Blätter mit feinem Aroma und guter Glühfähigkeit, die „Sandblätter“, ihnen folgt schließlich nach oben das Mittel-, Haupt- und Obergut. Die Blütenknospen werden bei den meisten Pflanzen entfernt (geizen), um alle Stoffe in den Blättern zu erhalten.

Nach dem Trocknen werden die Blätter wieder angefeuchtet, in Haufen zusammengepresst und durch die Wirkung verschiedener Bakterien fermentiert, wobei ein großer Teil des Nikotins verschwindet. Die nun aromatisch riechenden, braunen Blätter können zu Tabak, Zigarren, Zigaretten und zu Schnupf- und Kautabak weiterverarbeitet werden.

Die Zahl deutscher Tabakbauern, einst vierstellig, war nach dem Ende der EU-Subventionen 2009 stark zurückgegangen - von damals rund 360 Betrieben auf inzwischen etwa 100. Seit dem Jahr 2000 hat sich die von einem Betrieb durchschnittlich bewirtschaftete Anbaufläche von sieben auf 17 Hektar erhöht, sagen Branchenvertreter. Der größte Teil des deutschen Rohtabaks wird inzwischen für die so genannten Shishas (Wasserpfeifen) verwendet.

Mit Ausnahme der giftfreien Samen enthalten alle Teile der Pflanze das Alkaloid Nikotin. Nikotin ist sehr giftig. Bereits 0,05 Gramm reichen – oral verabreicht - um einen Menschen zu töten. Tabak gehört wie die Tomate, Kartoffel oder die Tollkirsche zur Familie der Nachtschattengewächse und die sind mit Vorsicht zu genießen.

Zum Bild: Rosa Blüten und große grüne Blätter sind sein Markenzeichen. Das Tropengewächs Tabak wächst auch auf Deutschlands Äckern und das recht schnell: in nur 100 Tagen wird aus dem kleinen Setzling eine bis zu zwei Meter große Pflanze.

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