Wie viel ist eigentlich „etwas“? Und: Wo gibt's noch Speckschwarten zu kaufen?

0 03.04.2021

Wer die Fenster geputzt, schon alles eingekauft hat und den Kuchen im Ofen, wer außerdem über 60 ist und ein wenig Langeweile hat, der kann versuchen, einen Impftermin zu ergattern. „Etwas“ Geduld sei gefragt, heißt es auf der Homepage. Das wirft die Frage auf: Wie viel ist „etwas“? In drei Stunden nichts zu erreichen ist etwas „etwas“ zu viel, oder meinen Sie nicht auch?

Gut. Wenden wir uns von der undefinierten geringen Menge ab und etwas anderem wirklich Wichtigem zu: Gibt es heutzutage noch Speckschwarten zu kaufen? Ich meine diese harten Dinger, die selbst mit reichlich Kaisernatron und stundenlangem Gekoche in der Erbsensuppe kaum weich zu kriegen waren? Diese Schwarten waren in Klein-Monicas österlichem Zuhause unabdingbar für den österlichen Frieden. Mit der Speckschwarte wurden die gekochten und gefärbten Eier glänzend gerieben. Vermutlich diente diese Schmiererei auch zur Haltbarmachung der Eier. Beim österlichen Eierkitschen (wer kennt das nicht?) war das sorgfältig angeglitschte Ei schwieriger in der Handhabung und Klein-Monica unterlag in der Regel den älteren und deutlich gewiefteren Brüdern bei diesem Duell. Die Eltern mussten einschreiten, damit die kleine „Kröte“, wie sie liebevoll genannt wurde, doch noch ein, zwei Eierchen für ihr Nest behielt.

Früher, also gaaaaanz früher, als man noch nicht die Farben hatte, die man in etwas heißem Wasser und einem Schuss Essig auflöste, wurde natürlich gefärbt. Willi Schlüter, 1899 in Borbeck geborener Mundart-Dichter, erzählt in seinen Jugenderinnerungen: "Zu Hause färbte Großmutter Schlüter die Eier mit trockenen Zwiebelschalen goldgelb oder mit Karottensaft (rote Bete) herrlich rot. Mein Vater ging in den Garten, schnitt eine Portion jungen Roggen und kochte diesen. Die aus einem solchen heißen Bad genommenen leuchtend grünen Eier schmeckten wie der ,nahende Frühling."

Ihnen und Euch wünscht Monica einen guten Appetit aufs Osterei und auf den Frühling..

P.S.: Das Foto in der Residenzaue machte übrigens Uwe van Hoorn. Vielen Dank.

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