Leimgardt und Leimgardtsfeld

Die Leimgardts gehören zu den einflussreichsten Familien in Essen und Borbeck. Sie stellten Bürgermeister in der Stadt Essen sowie Kanoniker und Rentmeister auf Haus Berge im Stift Essen. Darüber hinaus findet man Leimgardts nach der Auflösung des Stifts in der Bürgermeisterei Borbeck als Bürgermeister und Beigeordnete.

Über die Frühgeschichte der Familie hat Wilfried Vogeler geforscht. Demnach sind die Leimgardts Ende des 16. Jahrhunderts vom Niederrhein nach Essen gezogen und dort wie Johann Heinrich Philipp Leimgardt (*1665) als Backamtverwalter in die Dienste der Fürstäbtissin getreten. Christian Joseph Philipp Leimgardt (1761-1829) wurde 1808 zum ersten Maire der französischen Munizipalität Borbeck ernannt. 1813 machte ihn die Preußische Regierung gegen seinen Willen zum ersten Bürgermeister von Borbeck. 1823 trat er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

Die hochangesehene Borbecker Familie, deren Vorfahre Heinrich Philipp Ende des 17. Jahrhunderts zur Katholischen Kirche übergetreten war, erbaute 1865 das „Heiligenhäuschen“ an der Germaniastraße und übertrug es später der Pfarrgemeinde St. Dionysius. Wilhelm Leimgardt (1832-1894), Beigeordneter, Gutsbesitzer und Inhaber des Ziegelfelds und der Ringofenziegelei zwischen Stolberg-, Schnur- und Neustraße, ließ auf dem Gelände des heutigen Mehrgenerationenparks zwischen Marktstraße und Hülsmannstraße ein prächtiges Anwesen samt großem Park errichten, das „Villa Leimgardt“ genannt wurde.

Wilhelm Leimgardt (Bild oben mit seiner Familie, 1863-1940) verkaufte Wohnhaus, Nebengebäude und Gartenpark (6 000 qm) am 22. Oktober 1920 für 1 Mio. Mark an die Genossenschaft der Oblaten und zog mit seiner Familie nach Bonn. Er wurde in der Familiengruft auf dem Friedhof an der Hülsmannstraße beigesetzt. Auf dem Gelände der „Villa Leimgardt“ errichteten die Oblaten 1921 das Exerzitienhaus St. Augustinus (Eingang im Bereich der heutigen Post), das sie 1967 im Zuge der Sanierung Borbecks für 2,5 Mio. DM an die Stadt Essen verkauften. Bis heute erinnert die Straße „Leimgardtsfeld“, die bis zur Eingemeindung Borbecks 1915 Ziegelstraße hieß, an die Familie Leimgardt. Um die Mitte der 1960er-Jahre erfolgte im Rahmen der Sanierung von Borbeck-Mitte der Durchstich über Schnurstraße und Neustraße hinaus zum Weidkamp. (FJG)

Quellen: Dr. Wilfried Vogeler: Zur Geschichte der Familie Leimgardt. In: Borbecker Beiträge 15. Jahrgang, Nr. 1/1999 (Frühgeschichte). – Andreas Koerner: Zwischen Schloss und Schloten. – Franz Josef Gründges: Zur Geschichte des Exerzitienhauses in Borbeck (unveröffentlichtes Manuskript). – Ludwig Wördehoff: Borbeck in seinen Straßennamen.

Das von Familie Leimgardt 1865 erbaute „Heiligenhäuschen“ an der Germaniastraße

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