Grünflächen: "Rebellen aus dem Wiesengrund" noch immer tatkräftig

12-Punkte-Programm der SPD-Schönebeck/Bedingrade feiert 40. Geburtstag

0 12.01.2020

SCHÖNEBECK/MÜLHEIM.  Ein "Jubiläum" besonderer Art begeht zurzeit die SPD Bedingrade/Schönebeck.  Christian Müller blickt  auf "40 Jahre Kampf gegen die Bebauung der Schönebecker Siepen" zurück. Er schreibt:

"In unserer schnelllebigen Zeit geraten lokale Ereignisse und Entscheidungen dann aus dem Blick, wenn sie etwa für die Entwicklung eines Stadtteils keine besondere Bedeutung hatten.

Ganz anders verhält es sich mit dem „12-Punkte-Programm zu Erhaltung der Schönebecker Siepenlandschaft“ (1). Gerade ist dieses Programm 40 Jahre alt geworden – und aktueller denn je. Im Jahr 1979 entwickelte die SPD Schönebeck / Bedingrade Vorstellungen, die Wohnen, Freizeit und Erholung gleichermaßen gebührende Aufmerksamkeit schenkten. Ihre stadtplanerischen Ziele stellte sie in einer mehrwöchigen Ausstellung der Öffentlichkeit vor. Für die Ausgewogenheit des Programms wurden die Autoren mit dem Umweltpreis der Essener Aktion gegen Umweltzerstörung ausgezeichnet.

Damals war dieser Grünzug wieder einmal bedroht. Die Bundesautobahn 31 (Ostfriesenspieß) sollte das ostfriesische Emden mit dem Großraum Bonn verbinden und im rheinischen Abschnitt durch das Winkhauser Tal und das Hexbachtal führen. Beide Täler wären ökologisch zerstört worden.

Die Schönebecker Sozialdemokraten waren aber der Überzeugung, dass die Siepenlandschaft ein unersetzliches Kleinod ist und stützten sich dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Ziel könne es darum nicht sein, Natur zu zerstören, sondern es ginge vielmehr darum, Landschaft, die durch die seinerzeit notwendigen und jetzt brach liegenden Gewerbeansiedlungen verlorengegangen war, zurückzugewinnen und vorhandene Grünflächen als solche planerisch festzuschreiben. Dabei beriefen sie sich auf den Eingemeindungsvertrag von 1915, erhoben den alten Vertrag wieder in das politische Bewusstsein und nahmen das Grundanliegen der internationalen Bauausstellung “IBA Emscher Park“ zu Beginn der 1990er-Jahre vorweg.

Es gelang ihnen, ihr Anliegen in die Parteien hineinzutragen. Auf diese Weise kam es zu einem politischen Umdenken, das in den Ratsgremien der Stadt Essen im Jahr 1979 zu Beschlüssen gegen die A 31 führte. Kommentar der Essener Lokalpresse: „Rebellen aus dem Wiesengrund siegten auf der ganzen Linie. Mit der Entscheidung … wird der unermüdliche Einsatz einer vergleichsweise kleinen Gruppe engagierter Kommunalpolitiker anerkannt, die sich nicht scheute, gegen die offiziell verkündete Parteimeinung aufzumucken und einen Denkprozess in Gang zu setzen, der schließlich zum Umdenken führte.“ (2)

Mehr noch. Als weiteres Unheil drohte, hieß es in der Zeitung: „Der SPD-Ortsverein Bedingrade-Schönebeck richtet sich darauf ein, auch in diesem Falle ein für das Gemeinwohl unerlässliches Wächteramt auszuüben.“ (3)

Dieses „Wächteramt“ nahm und nimmt die SPD Schönebeck / Bedingrade bis heute war. Deshalb traf der Bau von Justizvollzugsanstalt (1978), Umspannwerk (1978 und 1990), Gewerbegebiet (1981, 2000, 2008), Golfanlage (1991), Paketverteilungszentrum (1991), Deponien (1992), Flüchtlingsheim (1992 und 2016) sowie von Wohnbebauungen (2019) in beiden oder in einem der beiden Täler auf ihren erbitterten und erfolgreichen Widerstand.

Das 12-Punkte-Programm hat die SPD Schönebeck / Bedingrade kürzlich fortgeschrieben. Denn viele Forderungen sind inzwischen erfüllt, wie etwa der Ausbau des Sportplatzes an der Ardelhütte zu einem Sport- und Gesundheitszentrum oder der Bau von Wohnsiedlungen im Bereich Hopfenstraße / Am Brauhaus. Als Weihnachtsgeschenk und Belohnung für ihre politischen Bemühungen zur Freihaltung der Talhänge von Winkhauser Tal und Hexbachtal, der Randbereiche der Schönebecker Schlucht und des Schlossparks sehen Angelika Weihnacht und Christian Müller von den Schönebecker Sozialdemokraten den Ratsbeschluss am 11. Dezember.

Angesprochen auf die von Mülheim in Form eines 46 Hektar großen Gewerbegebietes im Winkhauser Tal ausgehende Gefahr, antworten sie zuversichtlich und verweisen auf die erfolgreiche Vergangenheit: Auch diesmal werden wir „ein für das Gemeinwohl unerlässliches Wächteramt ausüben.“

Auf dem Photo: Angelika Weihnacht und Christian Müller von der SPD Schönebeck/Bedingrade)

Zitate aus : 1 Borbecker Nachrichten vom 16. März 1979 - 2 Borbecker Nachrichten vom 22. Juni 1979. -3 Borbecker Nachrichten vom 17. Juli 1981.

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