Och! Priemelken hedd dät dridde Bläumken . . .

Ostern - von Hermann Hagedorn

0 04.04.2021

As van dä Klocken dän eäßen Ton vämorgen en onse Wiesche kom,

Als der erste Glockenton frühmorgens an unsere Wiese drang,

do pocken do'usend Männekes sick an dä gräune Hännekes,

da fassten sich tausend Männlein an ihre grünen Hände,

nohmen dä Bläumkes en dä Midde, Botterblaumen, Schlöttels ... wie hedd doch dät dridde?

nahmen die Blumen in die Mitte, Butterblumen, Schlüssels . . . wie heißt noch mal die dritte?

Öt het än Köppken so rot as Füe, fröher stonn't ok bi ons vö dä Düe,

Es hat einen feuerroten Kopf, früher stand es bei uns vor der Haustür,

dä Moder haa dät Bläumken so gäene, öt keck ömmer so, as än schöe Deäne

die Mutter mochte das Blümchen so gerne, es schaut immer wie ein hübsches Mädchen

- Och! Priemelken hedd dät dridde Bläumken . . .

Ach ja, Primel heißt die dritte Blume.

Priemelken, Schlöttel- on Botterbläumken danzen bim eäßen Klockenton

Primel, Schlüssel- und Butterblume tanzen beim ersten Glockenton

vämorgen en onse Wiesche schon,

frühmorgens auf unserer Wiese schon.

Gräunmännkes hadd 'n öe an 'e Hand, dä woren rein ut Rann on Band

Sie nahmen die grünen Männlein an die Hand und waren ganz außer Rand und Band

on hören nech op, öe röm dä dreihen, ick häw ät met eegene Oogen geseihen, . .

Und hörten nicht auf sich im Kreis zu drehen – ich habe es mit eigenen Augen gesehen!

on as sö nech mä danzen konnen, hongen sö trurig dän Kopp no onnen . . .

Und als sie nicht mehr tanzen konnten, da ließen sie traurig die Köpfe hängen

Do nohmen dä gräune Männkes dä Bläumkes wi'e an 'e Händkes, brachen jedet an sine olle Sti'e.

Da nahmen die grünen Männlein die Blumen wieder an die Hand und brachten sie an ihren angestammten Platz.

Do stött sö nu! Do blött sö wi'e!

Da stehen sie nun! Da blühen sie wieder.

 

Das Gedicht "Ostern" von Hermann Hagedorn wurde erstmalig am 17. April 1927 im Essen-Borbecker Lokalanzeiger abgedruckt, Die Borbecker Nachrichten brachten es Ostern 1961 und im Gedichtband "Hatte on Heeme" (Herz und Heimat) steht es auf Seite 16 zu lesen. - Übrigens: Mit den "gräunen Männkes" (grünen Männchen) sind Grashalme gemeint. Das Bild rechts zeigt Hermann Hagedorn in seinem Garten in Fretter mit Fridolin.

In diesem Jahr will borbeck.de in loser Folge die schönsten Gedichte des Dellwiger Heimatdichters, der 1951 auf so tragische Weise ums Leben gekommen ist, vorstellen - ins Hochdeutsche übertragen von Franz Josef Gründges.

Zu Ostern verlost borbeck.de zwei antiquarische Exemplare des 1984 wieder aufgelegten Gedichtbandes "Hatte on Heeme". Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, schickt einfach eine Mail an redaktion@borbeck.de . Fortuna wird die glücklichen Gewinner ermitteln.

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